Betrug in der Fondsgesellschaft

In Fäl­len, in denen dem Ver­mö­gen als Kom­man­dit­ge­sell­schaft ver­fass­ter Gesell­schaf­ten und ihrer Gesell­schaf­ter Nach­tei­le zuge­fügt wor­den sind, bedarf es weder für den Schuld­spruch noch für den straf­zu­mes­sungs­re­le­van­ten Schuld­um­fang nähe­rer Fest­stel­lun­gen zu der Anzahl der jeweils betrof­fe­nen Gesell­schaf­ter und dem Umfang ihrer jewei­li­gen Betei­li­gung an den Gesell­schafts­ver­mö­gen.

Nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann zwar die Schä­di­gung des Ver­mö­gens einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft ledig­lich zu einem gemäß § 266 StGB straf­tat­be­stands­mä­ßi­gen Ver­mö­gens­nach­teil füh­ren, wenn sie gleich­zei­tig das Ver­mö­gen der Gesell­schaf­ter „berührt” 1.

Nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen ist für alle zur Ver­ur­tei­lung füh­ren­den Fäl­le aber aus­ge­schlos­sen, dass die jeweils nicht wert­ent­spre­chend aus­ge­gli­che­nen Ent­nah­men aus dem Gesell­schafts­ver­mö­gen sich nicht auch nach­tei­lig auf die Ver­mö­gen der Gesell­schaf­ter aus­ge­wirkt haben. Denn nach dem Anla­ge­kon­zept der betrof­fe­nen Fonds­ge­sell­schaf­ten hing der Wert der Betei­li­gung dar­an von der Höhe des Gesell­schafts­ver­mö­gens ab.

Auch für die jewei­li­gen Straf­aus­sprü­che sind kei­ne wei­ter­ge­hen­den Aus­füh­run­gen zu dem Grad der Aus­wir­kun­gen der Nach­teils­hand­lun­gen auf das Ver­mö­gen der ein­zel­nen Anle­ger als Kom­man­di­tis­ten oder sonst an den Gesell­schaf­ten (soweit Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten) Betei­lig­ten erfor­der­lich.

Der Gesamt­um­fang der den betrof­fe­nen Anle­gern zuge­füg­ten Ver­mö­gens­nach­tei­le stimmt vor­lie­gend jeweils mit der Höhe des Nach­teils für die frag­li­che Fonds­ge­sell­schaft über­ein. Anders als in der dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 10.07.2013 2 zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­halts­ge­stal­tung sind hier kei­ne Zustim­mungs­er­klä­run­gen von Gesell­schaf­tern zu berück­sich­ti­gen, die sich auf die Höhe des ver­ur­sach­ten Ver­mö­gens­nach­teils aus­wir­ken.

Dies gilt zumin­dest, wenn abwei­chend von der für den Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs vom 23.02.2012 3 maß­geb­li­chen Kon­stel­la­ti­on ersicht­lich kei­ne Gesell­schaf­ter geschä­digt wur­den, hin­sicht­lich derer ein das Antrags­er­for­der­nis aus § 266 Abs. 2, § 247 StGB aus­lö­sen­des Ange­hö­ri­gen­ver­hält­nis zu den Ange­klag­ten bestand.

Für die Bestim­mung des Umfangs der jeweils durch pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten bewirk­ten Ver­mö­gens­nach­tei­le ist auf die Zeit­punk­te der Vor­nah­me der Schä­di­gungs­hand­lun­gen abzu­stel­len 4. Maß­geb­lich ist der Ver­gleich des Ver­mö­gens­werts unmit­tel­bar vor und nach den pflicht­wid­ri­gen Ver­hal­tens­wei­sen zu Las­ten des bzw. der betrof­fe­nen Ver­mö­gen 5. Damit wird auch den aus Art. 103 Abs. 2 GG resul­tie­ren­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben genügt, den Ver­mö­gens­nach­teil der Höhe nach zu bezif­fern und des­sen Ermitt­lung in wirt­schaft­lich nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se dar­zu­le­gen 6.

Es ent­spricht der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Bezif­fe­rung des Ver­mö­gens­scha­dens bei – phä­no­me­no­lo­gisch – Anla­ge­be­trü­ge­rei­en 7, dass die mit den Ein­zah­lun­gen der Anle­ger nach Abschluss der Untreue­hand­lun­gen ein­her­ge­hen­den Ansprü­che der Gesell­schaf­ter wirt­schaft­lich als völ­lig wert­los betrach­tet wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. März 2017 – 1 StR 466/​16

  1. sie­he nur BGH, Beschluss vom 23.02.2012 – 1 StR 586/​11, NStZ 2013, 38 f. Rn. 10; Urteil vom 10.07.2013 – 1 StR 532/​12, NJW 2013, 3590, 3593 jeweils mit Nachw. auch zu Gegen­auf­fas­sun­gen; aus gesell­schafts­recht­li­cher Per­spek­ti­ve sie­he näher Kars­ten Schmidt, JZ 2014, 878 ff.[]
  2. 1 StR 532/​12, NJW 2013, 3590 ff.[]
  3. BGH, Beschluss vom 23.02.2012 – 1 StR 586/​11, NStZ 2013, 38 ff.[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 18.02.2009 – 1 StR 731/​08, BGHSt 53, 199; vom 14.04.2011 – 2 StR 616/​10, NStZ 2011, 638; und vom 23.02.2012 – 1 StR 586/​11, NStZ 2013, 38, 39 Rn. 15[]
  5. vgl. BGH jeweils aaO[]
  6. dazu BVerfG, Beschluss vom 23.06.2010 – 2 BvR 2559/​08 u.a., BVerfGE 126, 170, 211[]
  7. vgl. etwa BGH, Urteil vom 07.03.2006 – 1 StR 379/​05, BGHSt 51, 10, 15 ff. Rn. 17 ff.; Beschluss vom 18.02.2009 – 1 StR 731/​08, BGHSt 53, 199, 201 ff. Rn. 8 ff.[]