Die Haftung des Anlageberaters – und die Steuervorteile

Die Auf­fas­sung, der Anle­ger müs­se sich im Wege des Vor­teils­aus­gleichs auch die erhal­te­nen Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen anrech­nen las­sen, weil es sich bei der Rück­ab­wick­lung nicht um eine steu­er­recht­li­che Ver­äu­ße­rung im Sin­ne des § 23 EStG han­de­le und Anhalts­punk­te dafür, dass die von dem Anle­ger in Anspruch genom­me­nen Steu­er­vor­tei­le nach­träg­lich ent­fal­len könn­ten, nicht vor­lä­gen, greift zu kurz.

Zwar trifft es zu, dass der Bun­des­ge­richts­hof in sei­nem Urteil vom 17.11.2005 1 aus­ge­führt hat, dass die blo­ße Rück­ge­währ eines Wirt­schafts­guts im Zusam­men­hang mit der Rück­gän­gig­ma­chung des ursprüng­li­chen Erwerbs­vor­gangs nicht den Tat­be­stand des § 23 EStG erfüllt. Die Erwä­gun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs sind aber vor dem Hin­ter­grund zu sehen, dass in der damals zu ent­schei­den­den Fall­kon­stel­la­ti­on eine Ver­steue­rung der Scha­dens­er­satz­leis­tung unter dem Gesichts­punkt einer betrieb­li­chen Ein­nah­me (§§ 1517 EStG) ent­fiel, weil die Fonds­ge­sell­schaf­ten, an denen sich die dor­ti­gen Klä­ger betei­ligt hat­ten, als blo­ße Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ge­sell­schaf­ten nicht gewerb­lich tätig waren.

Im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall han­delt es sich aber um eine unter­neh­me­ri­sche Betei­li­gung, bei der eine Ver­steue­rung nach § 15 oder § 16 EStG in Betracht kommt 2. Dies­be­züg­lich ist zu beach­ten, dass nach der mitt­ler­wei­le gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs eine Vor­teils­an­rech­nung bezo­gen auf die steu­er­li­chen Vor­tei­le, die der Anle­ger aus sei­ner Betei­li­gung an dem geschlos­se­nen Fonds erlangt hat, grund­sätz­lich aus­schei­det, wenn die ent­spre­chen­de Scha­dens­er­satz­leis­tung ihrer­seits der Besteue­rung unter­wor­fen ist. Eine Anrech­nung kommt dabei nur dann in Fra­ge, wenn Anhalts­punk­te dafür bestehen, dass der Anle­ger der­art außer­ge­wöhn­li­che Steu­er­vor­tei­le erzielt hat, dass es unbil­lig wäre, ihm die­se zu belas­sen 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Febru­ar 2015 – III ZR 90/​14

  1. BGH, Urteil vom 17.11.2005 – III ZR 350/​04, NJW 2006, 499 Rn. 16[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 17.07.2014 – III ZR 218/​13, NJW 2014, 3436 Rn. 30 f und – III ZR 226/​13, Beck­RS 2014, 15367 Rn. 30 f[]
  3. st. Rspr. vgl. nur BGH, Urtei­le vom 15.07.2010 – III ZR 336/​08, BGHZ 186, 205 Rn. 35, 36 f; und vom 17.07.2014 – III ZR 218/​13 und – III ZR 226/​13, jeweils aaO Rn. 25 f sowie BGH, Urtei­le vom 23.04.2012 – II ZR 75/​10, NJW-RR 2012, 1312 Rn. 43; und vom 28.01.2014 – XI ZR 495/​12, BGHZ 200, 110 Rn. 12 f[]