Keine „Kundin” in den Bankformularen

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de bezo­gen auf die Ver­wen­dung geschlech­ter­ge­rech­ter Spra­che in Spar­kas­sen­vor­dru­cken und ‑for­mu­la­ren nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men.

Die Beschwer­de­füh­re­rin ist Kun­din einer Spar­kas­se, die im Geschäfts­ver­kehr For­mu­la­re und Vor­dru­cke ver­wen­det, die nur gram­ma­tisch männ­li­che, nicht aber auch gram­ma­tisch weib­li­che oder geschlechts­neu­tra­le Per­so­nen­be­zeich­nun­gen ent­hal­ten. Die Kla­ge der Beschwer­de­füh­re­rin, die Spar­kas­se zu ver­pflich­ten, ihr gegen­über For­mu­la­re und Vor­dru­cke zu ver­wen­den, die eine gram­ma­tisch weib­li­che oder neu­tra­le Form vor­se­hen, blieb vor den Zivil­ge­rich­ten in allen Instan­zen vom Amts- und Land­ge­richt Saar­brü­cken 1 bis hin zum Bun­des­ge­richts­hof 2 erfolg­los.

Wäre über die Ver­fas­sungs­be­schwer­de in der Sache zu ent­schei­den, führ­te dies zu unge­klär­ten Fra­gen der Grund­rechts­re­le­vanz der tra­dier­ten Ver­wen­dung des gene­ri­schen Mas­ku­li­nums sowie zu Fra­gen der ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an die Aus­le­gung von Gleich­stel­lungs­ge­set­zen, die die Ver­wen­dung einer geschlech­ter­ge­rech­ten Spra­che vor­schrei­ben. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt beur­teil­te die Ver­fas­sungs­be­schwer­de jedoch als unzu­läs­sig, weil sie den for­ma­len Begrün­dungs­an­for­de­run­gen nicht genüg­te. Die Beschwer­de­füh­re­rin ver­hält sich in kei­ner Wei­se zu dem vom Bun­des­ge­richts­hof ange­führ­ten und sei­ne Ent­schei­dung selb­stän­dig tra­gen­den Argu­ment, dass das Grund­ge­setz selbst das von der Beschwer­de­füh­re­rin bemän­gel­te gene­ri­sche Mas­ku­li­num ver­wen­det. Unab­hän­gig davon, ob oder wie­weit die­ses Argu­ment im Ergeb­nis ver­fas­sungs­recht­lich durch­greift, genügt die Ver­fas­sungs­be­schwer­de man­gels Aus­ein­an­der­set­zung hier­mit den pro­zes­sua­len Anfor­de­run­gen nicht. Auch die Argu­men­ta­ti­on des Bun­des­ge­richts­hofs, dass das Saar­län­di­sche Gleich­stel­lungs­ge­setz, wel­ches den Dienst­stel­len des Lan­des den Gebrauch geschlech­ter­ge­rech­ter Spra­che vor­gibt, allein als objek­ti­ves Recht Gel­tung bean­spru­che, nicht aber auch klag­fä­hi­ge sub­jek­ti­ve Rech­te für Ein­zel­per­so­nen ein­räu­me, greift die Beschwer­de­füh­re­rin nicht sub­stan­ti­iert an. Weder rügt sie eine Ver­let­zung der hier­durch mög­li­cher­wei­se berühr­ten Garan­tie des effek­ti­ven Rechts­schut­zes noch setzt sie sich sonst unter ver­fas­sungs­recht­li­chen Gesichts­punk­ten hier­mit aus­ein­an­der. Damit war auch dies vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in der Sache nicht zu prü­fen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Mai 2020 – 1 BvR 1074/​18

Keine "Kundin" in den Bankformularen
  1. AG Saar­brü­cken, Urteil vom 12.02.2016 – 36 C 300/​15 (12); LG Saar­brü­cken, Urteil vom 10.03.2017 – 1 S 4/​16[]
  2. BGH, Urteil vom 13.03.2018 – VIZR 143/​17[]