Bankdarlehn, Ratenschutzversicherung – und die Kündigungsfrist

Die Ver­ein­ba­rung einer durch die kre­dit­ge­ben­de dar­le­hens­fi­nan­zier­ten Ein­mal­prä­mie in einer Raten­schutz-Ver­si­che­rung stellt kei­ne Umge­hung des § 168 Abs. 1 VVG dar. Eine , die dem Ver­si­cher­ten ein Kün­di­gungs­recht nach Maß­ga­be der Fris­ten des § 11 Abs. 4 VVG ein­räumt, ist wirk­sam.

Die­se Klau­sel weicht nicht zum Nach­teil der Ver­si­cher­ten von einer gesetz­li­chen Rege­lung ab. Sie wie­der­holt fast wort­gleich die in § 11 Abs. 4 VVG getrof­fe­ne Rege­lung, nach der ein für die Dau­er von mehr als drei Jah­ren geschlos­se­ner Ver­si­che­rungs­ver­trag zum Schluss des drit­ten und jedes dar­auf fol­gen­den Jah­res unter Ein­hal­tung einer Frist von drei Mona­ten gekün­digt wer­den kann. § 168 Abs. 1 VVG, der abwei­chend davon dem Ver­si­che­rungs­neh­mer eines Lebens­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges eine jeder­zei­ti­ge Kün­di­gungs­mög­lich­keit für den Schluss der lau­fen­den Ver­si­che­rungs­pe­ri­ode eröff­net, wenn lau­fen­de Prä­mi­en zu zah­len sind, steht der Klau­sel nicht ent­ge­gen.

Dabei braucht hier vom Bun­des­ge­richts­hof nicht ent­schie­den zu wer­den, ob dem Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg 1 dar­in zuzu­stim­men ist, dass § 168 Abs. 1 VVG für den Ver­si­cher­ten einer Grup­pen­ver­si­che­rung schon des­halb nicht gilt, weil die­ser als „außer­halb des Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­ses ste­hen­der Drit­ter” ohne­hin kein eige­nes Kün­di­gungs­recht habe, oder ob die auch vom OLG Ham­burg her­vor­ge­ho­be­nen Beson­der­hei­ten des Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges es erfor­dern, auch des­sen Ver­si­cher­ten ein Kün­di­gungs­recht nach Maß­ga­be des § 168 Abs. 1 VVG zuzu­bil­li­gen.

§ 168 Abs. 1 VVG ist jeden­falls des­halb nicht anzu­wen­den, weil die Vor­schrift vor­aus­setzt, dass lau­fen­de Prä­mi­en zu zah­len sind. Dar­an fehlt es im Streit­fall.

Hier ist die als Ver­si­che­rungs­neh­me­rin im Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis Prä­mi­en­schuld­ne­rin einer Ein­mal­prä­mie, die ledig­lich wirt­schaft­lich vom Ver­si­cher­ten getra­gen wird, indem die von der ver­aus­lag­te Ein­mal­prä­mie sodann der Dar­le­hens­for­de­rung zuge­schla­gen und durch die Dar­le­hens­ra­ten abge­tra­gen wird.

In die­ser Ver­trags­ge­stal­tung liegt kei­ne Umge­hung der Kün­di­gungs­re­ge­lung des § 168 Abs. 1 VVG. Er kann sich des­halb auch nicht nach all­ge­mei­nen Rechts­grund­sät­zen über Umge­hungs­ge­schäf­te auf die­se Vor­schrift beru­fen.

§ 168 Abs. 1 VVG ver­folgt den Zweck, Ver­si­che­rungs­neh­mern einer Lebens­ver­si­che­rung wegen der bei die­sem Ver­trags­typ häu­fi­gen lan­gen Lauf­zei­ten und der Belas­tung mit lau­fen­den Prä­mi­en­zah­lun­gen abwei­chend von der all­ge­mei­nen Rege­lung in § 11 Abs. 2 und 4 VVG die Mög­lich­keit zu eröff­nen, Ver­trä­ge mit lan­gen Lauf­zei­ten jeder­zeit und nicht erst zum Schluss des drit­ten Ver­si­che­rungs­jah­res für den Schluss der lau­fen­den Ver­si­che­rungs­pe­ri­ode zu kün­di­gen. Die Annah­me, die Ver­si­che­rung und die bezweck­ten mit der Gestal­tung des Dar­le­hens- und des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges sowie der bean­stan­de­ten eine Umge­hung die­ser gesetz­li­chen Kün­di­gungs­mög­lich­keit, setz­te nach all­ge­mei­ner Mei­nung zwar kei­ne Umge­hungs­ab­sicht vor­aus 2, erfor­der­lich wäre aber eine Ver­trags­ge­stal­tung, die bei einer Inter­es­sen­la­ge, die der von § 168 Abs. 1 VVG vor­aus­ge­setz­ten gleicht, jeden­falls objek­tiv allein den Sinn hät­te, das gesetz­li­che Kün­di­gungs­recht aus § 168 Abs. 1 VVG nicht zur Ent­ste­hung kom­men zu las­sen 3.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier nicht erfüllt.

Schon die eine Raten­schutz-Ver­si­che­rung kenn­zeich­nen­de Inter­es­sen­la­ge unter­schei­det sich von der­je­ni­gen, wel­che § 168 Abs. 1 VVG vor­aus­setzt, soweit die Vor­schrift dem Umstand Rech­nung trägt, dass Lebens­ver­si­che­rungs­ver­trä­ge – wie vom Beru­fungs­ge­richt rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt – in aller Regel sehr lan­ge lau­fen und dem Ver­si­che­rungs­neh­mer abwei­chend von § 11 Abs. 4 VVG die Mög­lich­keit geben will, die damit ver­bun­de­nen finan­zi­el­len Belas­tun­gen jeder­zeit durch Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges zu been­den. Bei der Raten­schutz-Ver­si­che­rung wird die Lauf­zeit von der Lauf­zeit des Dar­le­hens­ver­tra­ges bestimmt, die wor­auf das Beru­fungs­ge­richt zu Recht hin­weist in aller Regel wesent­lich kür­zer ist. Mit­hin besteht hier eine gerin­ge­re Gefahr, dass sich die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Ver­si­cher­ten wäh­rend die­ser Lauf­zeit erheb­lich ver­än­dern.

Selbst wenn man anneh­men woll­te, die­sem Unter­schied kom­me kein gro­ßes Gewicht zu, weil sich das Kün­di­gungs­pri­vi­leg aus § 168 Abs. 1 VVG wie der Ver­gleich mit § 11 Abs. 4 VVG zeigt ohne­hin nur wäh­rend der ers­ten drei Ver­si­che­rungs­jah­re aus­wirkt, tritt ent­schei­dend hin­zu, dass sich nicht fest­stel­len lässt, die von der Ver­si­che­rung gewähl­te Ver­trags­ge­stal­tung habe objek­tiv nur den Sinn, das Kün­di­gungs­recht aus § 168 Abs. 1 VVG nicht ent­ste­hen zu las­sen. Eine sol­che Fest­stel­lung erfor­der­te den Nach­weis, dass die kre­dit­fi­nan­zier­te Ein­mal­prä­mie objek­tiv die Zah­lung lau­fen­der Prä­mi­en i.S. von § 168 Abs. 1 VVG ver­hin­dern soll­te und dies gera­de mit Blick auf den Aus­schluss des Kün­di­gungs­rechts geschä­he. Dafür ist hier nichts ersicht­lich.

Die bean­stan­de­te in § 3 AVB-RSV steht einer Kün­di­gung des Dar­le­hens­ver­tra­ges gemäß § 500 BGB nicht ent­ge­gen. Sie führt auch nicht dazu, dass wegen Fort­be­stehens der Prä­mi­en­last bei einer Kün­di­gung des Dar­le­hens­ver­tra­ges lauf­zeit­ab­hän­gi­ge Kos­ten ent­ge­gen der Rege­lung in § 501 BGB bestehen blei­ben. § 501 BGB nimmt Bezug auf § 6 Abs. 3 der Preis­ab­ga­ben­ver­ord­nung (PAV). Dort ist u. a. bestimmt, dass in die Berech­nung der Kre­dit­ge­samt­kos­ten alle Kos­ten ein­zu­be­zie­hen sind, die der Kre­dit­neh­mer im Zusam­men­hang mit dem Kre­dit­ver­trag zu ent­rich­ten hat. Davon sind Kos­ten für sol­che Ver­si­che­run­gen aus­ge­nom­men, die kei­ne Vor­aus­set­zung für die Kre­dit­ver­ga­be waren (§ 6 Abs. 3 Nr. 4 PAV, vgl. dazu BT-Drs. 16/​11643 S. 141). Dazu hat das Beru­fungs­ge­richt inso­weit von der Revi­si­on nicht ange­grif­fen fest­ge­stellt, der Abschluss des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges sei nicht Bedin­gung für den Abschluss des Dar­le­hens­ver­tra­ges, son­dern es ste­he im frei­en Ermes­sen des Ver­si­cher­ten, ob er der Raten­schutz­ver­si­che­rung bei­tre­te. Die Prä­mi­en­last für die Raten­schutz-Ver­si­che­rung wird mit­hin von § 501 BGB nicht erfasst.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Dezem­ber 2014 – IV ZR 289/​13

  1. OLG Ham­burg, Urteil vom 15.07.2013 – 9 U 157/​12[]
  2. vgl. dazu BGH, Urtei­le vom 23.06.1971 – VIII ZR 166/​70, BGHZ 56, 285, 289; vom 15.01.1990 – II ZR 164/​88, BGHZ 110, 47, 64; vom 09.02.1990 – V ZR 274/​88, BGHZ 110, 230, 234; Palandt/​Ellenberger, BGB 73. Aufl. § 134 Rn. 28[]
  3. vgl. zum Umge­hungs­ver­bot des § 306a BGB: BGH, Urteil vom 08.03.2005 – XI ZR 154/​04, BGHZ 162, 294, 298 ff. unter – II 2[]